Vorwissen gezielt diagnostizieren
Vor dem neuen Thema zeigen wenige Kernaufgaben, ob tragende Grundlagen sitzen — du steuerst Einstieg, Tempo und Aufgaben danach, statt im Blindflug zu planen.
Kernaussage
Erst prüfen, was trägt — wenige Kernaufgaben vor dem neuen Thema ersetzen Vermutungen durch echte Lücken und sparen Nacharbeit.
Was ist das?
Vorwissen-Diagnose ist ein kurzer Reality-Check zu den wenigen Schritten, ohne die das neue Thema nicht stabil aufsetzt. Du willst nicht das gesamte Vorwissen kartieren, sondern sehen, ob die tragenden Bausteine sitzen — danach passt du Einstieg, Scaffolding und Aufgabenfolge an.
Warum ist das gut?
Du planst den Einstieg auf dem tatsächlichen Stand, nicht auf dem, den du dir von der Klasse wünschst. Weniger Nachjustieren in der Erarbeitungsphase, weniger Lernende, die dauerhaft abgehängt sind, weil eine versteckte Lücke nie sichtbar wurde.
Wie geht das im Unterricht?
- So gehst du vor: Vor dem neuen Block wenige Schlüsselaufgaben zu den Kernvoraussetzungen — Zeitbudget und Schwierigkeit so wählen, dass du alle schnell auswerten kannst (Rundgang, Kurzabstimmung, gleiche Aufgabe auf dem Blatt).
- Achte dabei auf: Items, die wirklich die Eintrittsschwelle zum Thema abbilden — nicht Nebenkompetenzen, die schön zu prüfen sind, aber den Einstieg nicht bremsen.
- Prüfe am Ende: Welche konkrete nächste Stufe folgt — kurze Brücke, anderes Einstiegsbeispiel, langsameres Tempo, andere Sozialform?
Beispiele aus dem Unterricht
- Bruchgleichungen: Drei sehr kurze Aufgaben zu Definitionsmenge und Äquivalenzumformung am Anfang — wenn mehr als ein Drittel unsicher bleibt, folgt eine knappe Brücke statt sofort schwerer Standardaufgaben.
- Satz des Thales: Mini-Skizze ohne Rechnung — Ist der Winkel über dem Durchmesser immer ? Kurze Abstimmung per Handzeichen, dann eine gezielte Klärung nur dort, wo die Abstimmung es zeigt.
- Termumformungen: Dieselbe Vorlage «Minus vor Klammer» in drei Varianten — je nach Fehlverteilung startet ihr mit Vereinfachen oder mit den Vorzeichenregeln neu.
Was kann eine Lehrkraft dabei falsch machen?
- Falsche Zielgröße — Diagnosefragen prüfen Randthemen oder sind so breit, dass du keine klare Entscheidung für den Einstieg ableiten kannst.
- Ergebnis ignorieren — die Stunde läuft weiter wie geplant, obwohl die Auswertung eine andere Reihenfolge oder Tiefe nahelegt.
Was kann in der Praxis schiefgehen?
- Nebenschauplätze — schön zu lösende Aufgaben zeigen Stärken, aber nicht die eine Lücke, die das neue Thema blockiert.
- Diagnose ohne Konsequenz — Zahlen stehen im Heft, aber weder Einstieg noch Aufgaben oder Zeitbudget ändern sich.
Querverweise
Quelle (Hintergrund)
Formatives Assessment und diagnostische Unterrichtssteuerung — Kurzdiagnosen als Grundlage für nächste Lernschritte statt für Bewertung allein (kognitiv orientierte Didaktik).
Mini-Quiz
Wähle eine Antwort — Rückmeldung erscheint sofort.
01 Warum lohnt sich eine Vorwissensdiagnose vor einem neuen Thema?
02 Welche Form passt am besten für eine schnelle Alltagsdiagnose?
03 Du bist unsicher, ob die Klasse die nötige Basis für ein neues Thema hat. Was tust du zuerst?
Diskussion
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