Arbeitsphasen zielgerichtet beobachten
Während die Klasse an einer Aufgabe arbeitet, sammelst du gezielt Informationen dafür, wer später welche Idee ins Plenum bringen könnte.
Kernaussage
Die Erarbeitungsphase ist keine Pause vor dem Plenum, sondern die Datenlage, aus der du das Gespräch baust.
Was ist das?
Während die Klasse arbeitet, gehst du nicht zufällig von Tisch zu Tisch, sondern gezielt mit zwei Fragen im Kopf: Welche Lösungswege sehe ich? Welche eignen sich später fürs Plenum? Du hörst kurz zu, schaust dir Darstellungen an, stellst wenige, präzise Zwischenfragen — du korrigierst nicht alles, sondern sammelst Material. Das wird viel leichter, wenn du dir vorher die wahrscheinlichen Lösungswege überlegt hast: Erwartetes erkennst du in Sekunden und behältst Kopf und Zeit für unerwartete, mathematisch interessante Spuren.
Warum ist das gut?
Ohne Monitoring wählst du im Plenum oft die Schnellsten oder Lautesten. Mit Notizen zu Strategien und Stolperstellen kannst du mathematisch wichtige Beiträge einbeziehen und Diskussionen mit Tiefe ermöglichen.
Wie geht das im Unterricht?
- So gehst du vor: Nutze deine Vorüberlegungen (Lernziel, erwartete Wege) als Checkliste. Geh rotierend oder gezielt an Plätze, notiere Stichworte: „Gruppe A: Faktorisierung“, „Max: Diagramm ohne Achsenbeschriftung“.
- Achte dabei auf: Nicht zu früh „retten“ — sonst siehst du nicht, was sich von selbst entwickelt hätte.
- Prüfe am Ende: Konntest du mindestens zwei bis drei unterschiedliche Zugänge benennen, die sich fürs Plenum eignen?
Beispiele aus dem Unterricht
- Partnerarbeit: 90 Sekunden pro Tisch — nur zuhören, dann ein Wort auf die Karteikarte: „Weg“, „Fehler“, „Frage“.
- Whiteboards: Kurz umlaufen, welches Bild wäre später vergleichbar mit einem anderen (ohne es jetzt schon zu kommentieren).
- Stillarbeit: Gezielt Lernende auswählen, deren Arbeit du kennstlich für eine spätere Projektion vormerken willst (mit Einverständnis).
Was kann eine Lehrkraft dabei falsch machen?
- Dauer-Feedback: Dann entsteht keine sichtbare Eigenarbeit mehr, und du hast keine Vielfalt fürs Plenum.
- Nur Fehler jagen: Dann übergehst du tragfähige unvollständige Ansätze, die didaktisch wertvoll wären.
Was kann in der Praxis schiefgehen?
- Die Aufgabe ist zu lang oder zu fragmentiert — dann reicht die Zeit nicht für echte Rundgänge.
- Es gibt keine Aufzeichnung — am Ende der Phase weiß niemand mehr, was wo passiert ist.
Querverweise
- Lernziel klarziehen und Lösungswege vorwegdenken
- Beiträge fürs Plenum auswählen
- Mini-Whiteboards für alle Denkwege
- Monitoring-Chart für die Diskussion
Quelle (Hintergrund)
Smith, M. S., & Stein, M. K. (2018). 5 Practices … (2nd ed., Kap. zu Monitoring).
Mini-Quiz
Wähle eine Antwort — Rückmeldung erscheint sofort.
01 Was ist das Hauptziel des zielgerichteten Beobachtens in der Erarbeitungsphase?
02 Was ist während der Arbeitsphase meist wirksamer als ausführliches Helfen an einzelnen Tischen?
03 Zwei Gruppen haben unterschiedliche, beide tragfähige Wege gefunden. Was bringt das Plenum am weitesten?
Diskussion
Kommentare sind noch nicht konfiguriert. Lege eine .env mit den
PUBLIC_GISCUS_*-Variablen an (siehe .env.example und README).